Das Wort zum Sonntag 2

  • Es ist nun der 29., in einigen Tagen soll es mit dem neuen Setting losgehen. Mir ist selbst ein wenig mulmig. Wird es den Leuten gefallen? Die Ansprüche sind hoch, man ist gewohnt, dass wir gute Arbeit liefern. Spaß. Ich mache mir da keine wirklichen Sorgen, ich glaube, dass wir gut aufgestellt sind.Trotzdem spiele ich schon seit einigen Tagen mit dem Gedanken der Spielerschaft noch ein paar Worte mitzugeben. Einiges zu mir als Kopf hinter dem neuen Setting, andrerseits zum Rollenspiel selbst.


    Aber fangen wir an.

    Zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich die letzten Wochen über sehr unzugänglich für die meisten Spieler war. Schon beim Setting rund um Weidenau hat man gemerkt, dass mir irgendwann die Luft ausging und ich Anfragen immer öfter abgelehnt habe. Es liegt nicht daran, dass ich niemanden von euch auf einmal mehr mag, es war einfach nur Regisnation. Öfter hat man sich daher an meine Kollegen in der Spielleitung gewandt, aber ich möchte sagen, dass ihr euch auch wieder wie früher an mich wenden könnt. Ich bin gern Spielleiter, und nachdem nun alles wieder in den Bahnen ist, in denen ich es mir vorstelle, fehlen mir die ganzen Spieleranfragen wieder ein wenig. Ich möchten ungern vollkommen abgehoben vom Spielgeschehen einfach nur schauen, was sich denn so tut und die Verbindung zu euch als Community verlieren, weil ich mich um das große Ganze kümmern muss.


    Bombt mich gern wieder mit Anfragen zu wie früher!


    Doch genug davon.

    Ich habe mir im Zuge des neuen Settings viel zu Regeln und ähnlichem überlegt, aber dann doch davon abgelassen. Die Regeln die wir haben sind auf das Notwendigste beschränkt und ich sträube mich dagegen mehr einzufügen. Ich möchte, dass der Fokus auf dem Rollenspiel liegt und ich habe das Gefühl, dass einige Worte dazu dringend gesagt werden müssen.


    Es sind folgende Punkte, zu denen ich besonders unseren alt-eingesessenen Spielern etwas sagen möchte. Es sind Dinge die ich auch an mir selbst irgendwann bemerkt habe, aber mein Spielerdasein liegt auch schon ein paar Jahre zurück.


    Kleinigkeiten halten das Rollenspiel lebendig

    Kochgeschirr, ein wenig Luxus in Form eines guten Bieres (Wer trinkt nicht gern kaltes Radler!?) und ein flauschiger Teppich. Solche Sachen auszuspielen und den Charakter schätzen zu lassen macht nicht nur euer Rollenspiel besser, sondern hält es auch lebendig. Es ist nicht Aufgabe der Spielleitung euch einen Riss an einer peinlichen Stelle in der Hose auszuspielen, das könnt ihr selbst. Dann geht ihr zum Schneider, eine Unterhaltung kommt Zustande, ein paar Münzen wechseln den Besitzer, vielleicht aber auch nur eine Flasche Wein oder ähnliches. Und schon erscheint euer Charakter nahbarer.


    Dass irgendwelche Dielen in eurem Haus knarzen, könnt ihr allein konsequent ausspielen. Man wird sich daran erinnern. Und selbst, wenn bei euch eingebrochen wird sind es einfach Dinge, die euer Charakter später mal erzählen kann.



    Schwächen machen euch interessanter

    Die Dielen eures Charakter knarzen eines Tages nicht nur, sie brechen durch. Und euer Charakter ist vielleicht einfach zu faul um sie zu reparieren. Anfangs ist es noch störend, irgenwann gewöhnt er sich daran. Andere schütteln den Kopf über die Tatenlosigkeit eures Charakters. Ihr kennt vielleicht so jemanden, der nie sein Zimmer aufräumt oder andere Marotten hat. Und genau solche Charakterschwächen geben eurem Charakter erst Tiefe und Wiedererkennungswert. Nehmt euch die Zeit für solche Dinge.


    Solche Schwächen können sich steigern bis zum letzten - Bei einem Kampf nimmt ein Charakter einfach die Beine in die Hand und ruft noch "Es tut mir leid!". Das ist kein Todesurteil, sondern einfach nur verständlich. Keiner von uns würde gern gegen eine riesige Spinne kämpfen, wenn es sich vermeiden lässt. Noch weniger, wenn man selbst nur 1.60 groß ist. Und eine Frau. Der eigene Charakter kann durchgehend, die Sicherungen brennen ihm durch - Und genau solche Sachen, so unvorhergesehene Handlungen (die aber nicht einfach zufällig auftreten sollten, sondern ihren Grund haben!) sind denkwürdig.


    Und wenn es dazu führt, dass euer Charakter einen anderen die Treppe runter tritt, um sich selbst ein wenig Zeit zu verschaffen - Im besten Fall stirbt der andere und keiner bekommt es mit.



    Tut, was euer Charakter tun muss

    Tut, was euer Charakter tun muss! Habt nicht die Angst, dass ihr irgendetwas "kaputt" macht, wenn ihr euren Charakter nicht so ausspielt, wie er eigentlich ist. Er hat an irgendeinem Gegenstand Interesse, und will nicht, dass die Gruppe ihn für irgendetwas opfert? Dann reißt ihn euch unter den Nagel! Ihr könnt auch keine Plots der Spielleitung durch gegensätzliches Verhalten kaputt machen. Stellt es euch vor wie ein gutes Buch. Würdet ihr ein Buch interessant finden, das immer einem reibungslosen Narrativ folgt? Haben wir "The Witcher 3", "Skyrim" oder irgendein Spiel abseits von Tetris gern gespielt, weil alles vorhersehbar war und es keinerlei Konflikte gab?


    Dann schlagt einem anderen Charakter die Zähne aus. Sorgt dafür, dass denkwürdige Momente entstehen. Sorgt für Konflikte in eurem Charakter und mit anderen Charakteren. Es muss nicht immer alles bis zum Tode ausgetragen werden, manchmal reicht auch ein wenig Säbelrasseln. Wenig Leute sind scharf darauf sich mit anderen zu schlagen, wenn es sich vermeiden lässt. Spielt eure Charaktere menschlich und so animalisch aus, wie sie manchmal eben sind - Aber erzwingt es nicht.


    "Mein Charakter ist schon tot"

    Viele Rollenspieler hängen an ihren Charakteren, wollen sie nicht sterben lassen. Suchen ein "würdiges" Ende. Aber nicht jeder Mensch auf der Welt bekommt ein würdiges Ende. Wieviele unbenannte Existenzen sind in den Kriegen der Vergangenheit gefallen, sterben täglich ohne viel Applaus. Und trotzdem erinnern wir uns.


    Denkt euch immer, dass euer Charakter eigentlich schon tot ist. Jede Sekunde, die ihr dann noch mit ihm habt ist ein nettes Geschenk. Es liegt nicht immer in eurer Hand, wann es vorbei ist. Und wenn es vorbei ist solltet ihr besser eine denkwürdige Erinnerung hinterlassen als einen ragequit hinzulegen. Wieviele gute Rollenspieler haben wir schon daran kaputt gehen sehen, dass sie ihren Charakter nie gewechselt haben, stattdessen hat ihr Charakter die Persönlichkeit gewechselt?

    Sind Kämpfer, die sich einfach in schwerste Rüstungen hüllen und sowieso nicht verletzt werden können nicht langweilig? Umso größer ist dann das Geschrei, wenn sie sterben. Sie haben doch alles "richtig" gemacht. Aber so läuft es nicht.

    Vergesst das nicht. Und verliert doch auch nicht den Spaß am Bücherlesen, weil ihr eines durch habt - Dann greift ihr euch eben das Nächste.


    Vielleicht schreibe ich noch ein wenig mehr vor Serverstart.

    Libbe,

    ~ Schnitzel

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